Kosten-Nutzen-Analyse
Die Effizienz des Frühförderungsprogramms soll anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse ermittelt werden. Die Daten zu den in den USA durchgeführten Studien lassen erkennen, dass schon im Kindesalter bei der nicht geförderten Gruppe beträchtliche Mehrkosten eingetreten sind (Olds et al, 1999). Die ökonomischen Auswirkungen des Projekts lassen sich aber erst dann umfassend klären, wenn sich dieser Teil der Begleitforschung auf mindestens 25 Jahre und möglichst sogar auf 40 Jahre beziehen kann. Nach den Befunden aus den amerikanischen Projekten nehmen die Kostenunterschiede beider Gruppen mit wachsendem Alter der Probanden immer stärker zu. Die Befunde der amerikanischen Untersuchungen sprechen dafür, die Kosten-Nutzen-Analyse von Beginn an so zu planen, dass sie über mehrere Jahrzehnte durchgeführt werden kann.
Die Daten dieses Teils der Begleitforschung sind dabei in unterschiedlicher Weise zu erheben. Aus Sicht von Bürgern und Politikern sind zunächst die gesamtgesellschaftlichen Nutzen und Kosten eines Frühförderungsprogramms von Interesse. Als Nutzen sind hier alle positiven Ergebnisse und Konsequenzen des Programms anzusehen. Diese lassen sich aufteilen in tangible Nutzen (Nutzen, die sich in Geldeinheiten ausdrücken lassen), wie z.B. in einem höheren Lebenseinkommen der geförderten Kinder, in Ausgabenersparnissen des Justiz-, Sozial- und Gesundheitsbereichs oder in einem erhöhten Steueraufkommen. Darüber hinaus sind aber in bedeutendem Umfang auch intangible Nutzen zu erwarten. Hier ist an eine – auf die Gesundheit bezogene – höhere Lebensqualität des geförderten Kindes zu denken sowie an verminderte Konflikte und weniger negative Ereignisse in seinen familialen und gesellschaftlichen Beziehungen. Dass eine Monetarisierung derartiger Nutzen in der Regel kaum möglich sein wird, bedeutet keinesfalls, dass sie bei einer gesamtgesellschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse außer Acht gelassen werden dürfen. Vielmehr sind sie möglichst genau mit quantitativen und qualitativen Indikatoren zu beschreiben, damit sie in einen etwaigen politischen Entscheidungsprozess eingehen können.
Dem gesamtgesellschaftlichen Nutzen sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten des Programms gegenüberzustellen. Diese umfassen im Wesentlichen die direkten Programmkosten, die im Rahmen des Frühförderungsprojekts erfasst werden können. Darüber hinaus entstehen in geringem Umfang aber auch indirekte Kosten, z.B. Zeitkosten des Kindes und seiner Familie durch die programmbedingten Aktivitäten.
Für den finanzpolitischen Teil eines Entscheidungsprozesses über ein Frühförderungsprogramm ist eine Kosten-Nutzen-Analyse mit eingeschränktem Umfang von Interesse. Hierbei wird den fiskalischen Kosten des Programms der fiskalische Nutzen in Form zukünftig höherer öffentlicher Einnahmen und ersparter öffentlicher Ausgaben gegenübergestellt. Hierdurch ist die Frage zu klären, ob das Programm auch rein fiskalisch von Vorteil wäre. Sollte das der Fall sein, wäre das Programm, selbst ohne die Berücksichtigung des schwer fassbaren intangiblen, d.h. nicht fiskalischen, Nutzens erfolgreich, hätte also gewissermaßen einen gesellschaftlichen Reingewinn erbracht. Daraus ließe sich ein starkes Argument für eine flächendeckende Einführung des Programms ableiten. Während die fiskalischen Kosten eher direkter Natur sein werden, setzt sich der fiskalische Nutzen des Programms aus vielen indirekten Elementen zusammen. Vergleichbare Studien aus den Vereinigten Staaten lassen insbesondere zusätzliche Einkommenssteuereinnahmen, ersparte Aufwendungen für Freiheitsstrafen und Kriminalitätsopfer sowie verringerte Gesundheitsausgaben erwarten (Reynolds, 2000).
Verwendete Literatur:
Olds, D., Henderson, C.R., Kitzman, H.J., Eckenrode, J.J., Cole, R.E. & Tatelbaum, R.C. (1999). Prenatal and infancy home visitation by nurses: Recent findings. The Future of Children, 9, 44-63.
Reynolds, A. J. (2000). The State of early intervention. In: Success in early intervention: The Chicago Child/Parent Centers. Lincoln, NE: University of Nebraska Press.