Biopsychosoziale Evaluation
Im Rahmen der biopsychosozialen Evaluation wird die Frage beantwortet, ob und in welchem Ausmaß das Projekt bei den Kindern und ihren Eltern die gewünschten Ergebnisse und Erfolge erzielt und wie sich die festgestellten Wirkungen erklären lassen. Im Zentrum der vergleichenden Untersuchungen steht zum einen die kognitive und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Zum anderen wird die absolute und relative Effektivität des Projektes im Hinblick auf eine Reduktion der Risiken und Komplikationen während der Schwangerschaft (z.B. exogene Schädigung durch Infektionen, Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum) und Geburt (z.B. Frühgeburt, Sauerstoffmangel, Infektionen) sowie nach der Geburt (z.B. Verletzungen, Mißhandlungsfolgen) vergleichend überprüft. Der Gesundheitszustand der Schwangeren, der Geburtsstatus und das spätere Gedeihen des Kindes werden durch Fragebögen erfasst und im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig kontrolliert. Zur Erhärtung der Daten (Validierung) hinsichtlich der kindlichen Gesundheit und Entwicklung wird im Rahmen der medizinischen Begleitforschung eine Kooperation mit den Sozial-Pädiatrischen Zentren (SPZ) der beteiligten Kommunen angestrebt.
Erhebungsinhalte

Zur Prüfung der Wirksamkeit des Projektes werden verschiedene Variablen bei der Mutter und dem Kind zu insgesamt fünf Untersuchungszeitpunkten sowie bei dem Vater des Kindes zu zwei Untersuchungszeitpunkten erfasst.
Über standardisierte Befragungen werden zu den Testzeitpunkten (s. Abb. 2 weiter unten im Text) in Selbstangaben demographische Informationen (z.B. Alter, Familienstand, Nationalität, beruflicher Werdegang, Wohnverhältnisse), der allgemeine Gesundheitszustand (z.B. physische und psychische Gesundheit, legaler und illegaler Drogenkonsum), das Gesundheitsverhalten (z.B. Ernährungs- und Bewegungsverhalten, Rauchen, Drogenkonsum) sowie spezielle Aspekte der Gesundheit während und nach der Schwangerschaft (z.B. Gewichtszunahme, Komplikationen, Krankenhausaufenthalt, Depression, Stillen, Anzahl und Zeitpunkt folgender Schwangerschaften) erfasst. Zudem werden Daten zur Lebensplanung (Schule/Ausbildung, Familienplanung) und soziale Variablen (z.B. häusliche Gewalt, Konflikte mit dem Gesetz, Größe und Qualität der sozialen Netzwerke) bei der Mutter erhoben. Bei dem leiblichen bzw. sozialen Vater werden dieselben Informationen zu zwei Testzeitpunkten (t2 und t4) erfasst.
Die Fragebögen setzen sich vorwiegend aus Skalen etablierter Verfahren, wie z.B. dem Fragebogen zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren (Hampel, Selg 1998) oder der Depression-Angst-Stress-Skala (Lovibond, Lovibond 1995) zusammen, die eine hohe Objektivität, Reliabilität und Validität der Datenerfassung in der Zielgruppe gewährleisten.
Der Gesundheitszustand des Kindes prä-, peri- und postnatal (z.B. Geburtskomplikationen, Krankheiten, Verletzungen) wird zum einen über Elternbefragungen erhoben. Zum anderen sollen aber auch medizinische Berichte zur Erhärtung dieser Selbstberichtsdaten (Validierung) herangezogen werden.
Die Erfassung des sprachlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklungsstandes des Kindes erfolgt ab dem ersten Lebensjahr über standardisierte Verfahren. Die Bayley Scales of Infant Development – II werden zur Erfassung der allgemeinen Entwicklung zu den Testzeitpunkten zwei bis vier (t2-t4) eingesetzt. Zur Erfassung des Sprachentwicklungsstandes zum Testzeitpunkt zwei und drei ist der Einsatz der Elternfragebögen für die Erkennung von Risikokindern (ELFRA 1 und 2, Grimm & Doil, 2000) geplant, ab dem Testzeitpunkt 3 kommt dann der Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder (SETK-2, Grimm, 2000) bzw. der Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder (SETK 3-5, Grimm, 2001) zum Einsatz. Die sozial-emotionale Entwicklung und das Verhalten des Kindes werden über die Child Behavior Checklist (CBCL, 1 ½ - 5 Jahre) in ihrer deutschen Adaptation erfasst.
Auf der Interaktionsebene (Mutter-Kind; Vater-Kind) wird sowohl die pränatale Bindung über die Einstellung der Mutter zum ungeborenen Kind erfasst als auch die postnatale Bindung über das Bindungsverhalten der Mutter bzw. des Vaters erfragt und nach Möglichkeit beobachtet.
Abbildung 2 gibt einen ersten Überblick über die Erhebungszeitpunkte, um Entwicklungsverläufe der Mütter und Kinder in unterschiedlichen Phasen des Modellprojektes abbilden zu können. Längerfristige Follow-Up-Untersuchungen sind geplant.
Erhebungszeitpunkte

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